Zurück in den Normalbetrieb

WNZ vom 25.01.2023
Schützenbezirk Lahn-Dill sieht sich nach Coronajahren auf dem Weg der Konsolidierung

LEUN (jes). Ehrungen, die Proklamation der Schützenkönige für 2022 und 2023, ein Ausblick auf das Sportjahr 2023 sowie eine Debatte um die befürchtete Verschärfung des Waffenrechts sind bei der Bezirkstagung des Schützenbezirks Lahn-Dill wesentliche Tagesordnungspunkte gewesen.

Trotz angekündigten Schneefalls waren am vergangenen Freitagabend die Delegierten von 30 Vereinen im Schützenhaus in Leun vertreten. Im Schützenbezirk gibt es zurzeit 74 Vereine. Bezirksschützenmeisterin Dunja Boch sagte: „Dafür, dass kein Vorstand zu wählen war, ist das eine ganz gute Ausbeute gewesen.“ Den Vereinen wird das Protokoll der Versammlung ohnehin per E-Mail zugestellt. Ähnliches galt für die Jahresberichte aus den einzelnen Sparten.

Das ließ umso mehr Zeit, um verdiente Schützen und Funktionäre zu ehren und die Schützenkönige für 2022 und 2023 zu proklamieren (siehe den Informationskasten „Ehrungen und Proklamationen“), und Themen zu diskutieren, die den Vereinsvertretern wichtig sind.

Bezirkssportleiter Christof Hofmann hielt fest, dass der Schießsport dabei ist, nach den Pandemiejahren in den Normalbetrieb zurückzukehren. Für die Rundenwettkämpfe im Jahr 2023 erwartet er ein Mannschaftsmeldeergebnis, das sich in Richtung der Meldungen „vor Corona“ stabilisiert. Zwei Vereine haben allerdings abgemeldet: In Oberwetz und in Rechtenbach gibt es keinen Schießsport mehr.

Mitgliederzahl in Hessen steigt, aber nicht im Bezirk

Bezirksschützenmeisterin Dunja Boch ergänzte im Gespräch mit der Redaktion, dass die Zahl der Mitglieder und Aktiven im Bezirk relativ konstant sei, vielleicht sogar einen Trend zur Stagnation aufweise.

Der Hessische Schützenverband (HSV) wiederum hatte für das Jahr 2022 kürzlich den ersten Mitgliederzuwachs seit mehr als zehn Jahren gemeldet: Mehr als 93 000 Menschen sind dem HSV zufolge Ende 2022 Mitglied in einem Schützenverein gewesen. Die Investitionen in den Neustart nach Corona sowie in die Nachwuchsarbeit hätten sich gelohnt. Allerdings: Bei diesen 93 000 Personen handelt es sich nicht ausschließlich um Aktive. Außerdem zählt der Verband die nicht unüblichen Mitgliedschaften einzelner Sportschützen in mehreren Vereinen doppelt.

Vieles wird teurer: Heizung, Strom, Munition

Nach der Überwindung des sportlichen Stillstands während der Coronajahre zeichnet sich für den Schießsport ein nächstes Krisensymptom ab: Inflation und Preissteigerungen. In dieser Hinsicht werde das Meldeergebnis für die demnächst beginnende Feuerwaffenrunde eine Nagelprobe darstellen. Die Verteuerung der Munition könnte nicht nur einen leichten Rückgang des Interesses am Ligabetrieb auslösen. Sie könnte sich außerdem auf die sportlichen Resultate auswirken: Wer Munition und Kosten sparen will, wird weniger trainieren und weniger gute Ergebnisse auf die Scheiben bringen, lautet eine Prognose.

So mancher Verein wird außerdem an den Kosten für Heizung und Strom zu knabbern haben. Bezirksschützenmeisterin Dunja Boch gab deswegen bekannt, dass Ausrichter von Bezirksmeisterschaften eine finanzielle Anerkennung gezahlt bekommen, die höher als bisher liegen wird. Die Kassenlage gebe das her, sagte die Bezirksschützenmeisterin: Der Bezirk generiere über die Meldegelder für die Meisterschaften inzwischen wieder Einnahmen, mit denen während der Lockdowns nicht kalkuliert werden konnten.

Sportlich wird der Bezirk im Jahr 2023 alle gängigen Wettbewerbe anbieten können, neue könnten ohne größere Hürden installiert werden. Deswegen wurde über den Antrag des VSV Wetzlar über die Einführung weiterer Rundenwettkämpfe für Großkaliber- und Langwaffen nicht abgestimmt. „Es ist eine Sache von ein paar Klicks, um einen Wettkampf im Rundenwettkampfmelder einzurichten. Wir haben alle Möglichkeiten“, erläuterte Dunja Boch im Gespräch mit der Redaktion.

Über die beiden Anträge wird nicht abgestimmt

In wenig verbreiteten Sparten wie dem beantragten Rundenwettkampf für Unterhebelrepetierer sollten sich allerdings schon mindestens drei Mannschaften zusammenfinden, damit sich ein Ligenbetrieb lohnt, mahnte sie.

Ebenfalls nicht abgestimmt wurde über den Antrag des Rundenwettkampfleiters Gewehr Armin Daub, in allen Luftgewehr-Auflage-Ligen auf Zehntelwertung schießen zu lassen. Der Grund: Schießen auf Zehntelwertung ist in der Bezirksliga sowie beispielsweise bei Hessischen und Deutschen Meisterschaften obligatorisch. Eine Vereinheitlichung bis in die Grundklassenstaffeln wäre wünschenswert, sofern das technisch auf allen Schießständen im Bezirk möglich sei. Armin Daubs Antrag liegt für 2024 auf Wiedervorlage.

Schärferes Sportwaffenrecht löst kein Missbrauchsproblem

Ein Thema in der Aussprache ist für einige Vereinsvertreter die Verschärfung des Waffenrechts gewesen. Eine solche Verschärfung mit Blick auf die Gefahrenabwehr wird in der Politik zurzeit diskutiert. Der Deutsche Schützen-Bund (DSB) und andere Verbände haben sich zu diesen Plänen im Januar ablehnend positioniert.

Dunja Boch skizzierte im Gespräch mit der Redaktion ein zentrales Argument: „Die Sportschützen befürchten, wieder einmal unter Generalverdacht gestellt zu werden. Sie befürchten außerdem, dass eine Verschärfung des Waffenrechts unbegründet zu Lasten des Sports gehen könnte.“ Der Ansatz der Politik greife einfach zu kurz: Wenn die Sportschützen reglementiert werden, dann sind eben nicht alle Probleme mit Waffenmissbrauch gelöst. Die Bezirksschützenmeisterin will versuchen, mit Vertretern der regierenden Parteien in Kontakt zu kommen. „Es braucht ein Gespräch. Mit einer schriftlichen Resolution ist es nicht getan“, findet sie.