Das Programm schrumpft

Felix Hollfoth landet auf Rang drei

WNZ, Dienstag, 11.05.2021
Schütze des SV Lahnau kehrt dennoch mit gemischten Gefühlen aus Suhl zurück

SUHL/WETZLAR (tis). Mit gemischten Gefühlen ist Schütze Felix Hollfoth aus Suhl zurückgekommen. Mit der Schnellfeuer-Pistole belegte der 18-Jährige im Kreise der Junioren-Nationalmannschaft den dritten Rang. Nach drei Wettkampftagen – zwei im März und nun am vergangenen Samstag in Thüringen – findet er sich damit ebenfalls auf Platz drei wieder. Die insgesamt 1120 Ringe hätten gleichzeitig die Qualifikation für die Europameisterschaft in diesem Monat im kroatischen Osijek bedeutet. „Insofern“, sagt der Dorlarer, der für den SV Lahnau schießt, „ärgere ich mich nun noch mehr, dass wegen Corona die EM nicht stattfindet. Aber ich kann auch positive Dinge von hier für die Zukunft für mich mitnehmen.“

In Suhl zeigten die insgesamt vier Schützen, die im deutschen Aufgebot für die Schnellfeuerpistole sind, in zwei Halbserien ihr Können. Felix Hollfoth hatte zu Beginn Probleme. Die 273 erzielten Ringe spiegelten sein wahres Leistungsvermögen nicht wieder. Dass er dennoch zu den größten Talenten in dieser Disziplin gehört, zeigte er dann im zweiten Durchgang, als er mit 286 Zählern das zweitbeste Ergebnis des Tages einfuhr.

Da die Auswahl-Trainer aufgrund der strengen Corona-Auflagen die Standaufsicht hatten, musste der Schüler der Goetheschule Wetzlar während des Schießens auf Tipps der Coaches verzichten. „Das war durchaus ungewohnt für mich. Daher kann ich gerade mit der zweiten Halbserie sehr zufrieden sein“, betont der 18-Jährige, der nun darauf hofft, bei den Ranglistenturnieren im Juni weiterhin für Furore sorgen zu können, um damit das Ticket für die WM im August in Peru lösen zu können.

Der EM-Traum muss noch warten

WNZ, 08.05.2021
Schießen: Felix Hollfoth vom SV Lahnau verschiebt wegen der Corona-Pandemie vorerst sein großes Ziel

Von Tim Straßheim

WETZLAR. Es hätte das Wochenende von Felix Hollfoth werden sollen. An diesem Samstag wollte der Schütze des SV Lahnau in Suhl sein großes Ziel in die Tat umsetzen und am dritten Wettkampftag mit der Schnellfeuer-Pistole das Ticket für die Junioren-Europameisterschaft in diesem Monat im kroatischen Osijek lösen. Doch knapp vor einer Woche erhielt der 18-Jährige die traurige Nachricht: Die EM findet ohne die Junioren statt. Es gibt kein umfangreiches Hygienekonzept, lediglich die Berufsschützen, die noch um einen Quotenplatz für Olympia kämpfen, reisen in die viertgrößte Stadt Kroatiens. „Das ist schon sehr schade, ich hätte diese Erfahrung gerne auch mit Blick auf die kommende Saison gerne mitgenommen. Aber ich kann verstehen, dass für die anderen die EM wichtiger ist und wir nun nicht dabei sind“, erklärt der Dorlarer.

Seit diesem Jahr gehört er dem Kader der Junioren-Nationalmannschaft an. Immerhin: In Suhl kann er nun, im Beisein von Deutschlands besten Schützen, sein Können zeigen – auch wenn die dortigen Ergebnisse mit Blick auf die „Euro“ hinfällig sind. Seit Januar hatte sich Felix Hollfoth intensiv auf das Jahr vorbereitet. Beim Bundesleistungszentrum in Wiesbaden bewies er bei den ersten zwei Wettkämpfen sein Talent. Vorher war acht Wochen am Stück in der hessischen Landeshauptstadt Training angesagt. „Es war solide. Ich bin nicht unzufrieden, aber es wäre auch besser gegangen“, sagt er. Fast schon eine Untertreibung. Denn aktuell liegt er im Nationalkader der Junioren auf Rang drei von vier Schützen. Die besten Drei wären zur EM gefahren.

Doch der Schüler der Goetheschule Wetzlar will nicht jammern. Zumal es 2021 durchaus noch viel erreichen gibt. Im Juni stehen die Ranglistenturniere an. Hier hat er dann die Möglichkeit, sich für die Weltmeisterschaft, die im August in Peru auf dem Plan steht, zu qualifizieren. „Ich halte das für möglich. Allerdings weiß ich auch, dass wir alle auf einem ähnlichen Niveau sind“, so der Dorlarer.

Zumal er eventuell Terminschwierigkeiten bekommen könnte. Denn seine mündlichen Abiturprüfungen könnten mit den Ranglistenwettkämpfen kollidieren. Noch stehen die Termine der Schützen im Juni aber nicht konkret fest. „Da bin ich gespannt, was passiert“, sagt Felix Hollfoth.

Schon für die EM-Ausscheidung hatte er immer wieder die schwere Aufgabe, den Spagat zwischen dem schriftlichen Abitur und dem Training zu meistern. „Insofern“, sagt der 18-Jährige, „hätte ich nun mit dem Wissen der gestrichenen Europameisterschaft sicherlich noch mehr für die Schule getan, wobei das Abitur natürlich ohnehin für mich Vorrang hatte.“

200 Schüsse vor dem nächsten Wettkampf in Suhl

So oder so: Die Zeit in Suhl im Kreise der Nationalmannschaft genießt er sichtlich. Profis wie Oliver Geis über die Schultern zu schauen, von ihnen zu lernen: Für den Dorlarer eine wertvolle Erfahrung, die ihn dann spätestens in seinem zweiten Jahr bei den Junioren 2022 weiter voranbringen soll. Für den Wettkampf an diesem Samstag ist er vorbereitet. Die Anlage, die – anders als im Schützenhaus Lahnau – im Freien ist, hat er 24 Stunden vorher noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Nicht ganz unwichtig, da jede Anlage anders sei und es dauert, bis sich die Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnen. Die Pistole ist gesäubert und getestet, etwa 200 Schüsse hat er im Training noch einmal abgefeuert.

Bei einem Blick auf das eigentliche Pensum von Felix Hollfoth ist das fast schon recht wenig. Vier- bis fünfmal die Woche zeigt er für mehrere Stunden sein Können. Dazu kommen Einladungen für den Landeskader oder eben wie nun für die Junioren-Nationalmannschaft.

Auch seine Mutter Andrea gehörte einst dem Bundeskader an. „Ich möchte ihre Erfahrungen auch erleben“, sagt der Dorlarer. Sein Weg als Schütze war also vorgezeichnet, zumal auch schon seine Großeltern am Schießstand erfolgreich waren und sein Vater Ralf Trainer der Schützen war.

Aktuell muss er aufgrund der Pandemie auf einen Coach, wenn er alleine zu Hause übt, verzichten. So wollen es die Corona-Vorschriften der Schützen. Doch das ist für Felix Hollfoth kein Problem. Er ist froh, seiner Leidenschaft dennoch nachgehen zu können. Zwar war mit Beginn der ersten Welle überhaupt kein Training möglich, doch im Sommer 2020 und auch im November mit der dritten Welle änderte sich das. Zugute kommt ihm dabei, dass er als Spitzenathlet privilegiert ist und eine Sondergenehmigung hat.

Übrigens: Seine ersten beiden Corona-Tests in Suhl fielen negativ aus. Ganz so schlecht hat das Wochenende also doch nicht angefangen.

ZUR PERSON

Felix Hollfoth lebt in Dorlar . Für den SV Lahnau zeigt er mit der Schnellfeuer-Pistole sein Können, zudem geht er mit der Luftpistole in der Oberliga für seinen Verein an den Start. Im Alter von etwa sieben Jahren startete er – zunächst mit dem Gewehr – seine Laufbahn . Der Schüler der Goetheschule in Wetzlar legt in diesem Jahr sein Abitur ab. Anschließend möchte er etwas in Richtung Naturwissenschaft studieren . In seiner Freizeit fährt der 18-Jährige gerne Fahrrad, geht ins Fitness-Studio oder spielt Fußball. (tis)